Wieder da! – Die USA und das pyrotechnische Desaster
by Marius • 11. August 2012 • Allgemein, Hier & Jetzt • 1 Comment
Frankfurt – New York
Ich bin wieder da. Wie bereits gesagt war ich in den letzten Wochen aufgrund einer Reise in die Vereinigten Staaten ein wenig verhindert. Ich kann nicht behaupten, dass ich dort viel Zeit aufs Schreiben von Artikeln oder überhaupt nur mit Gedanken daran verschwendet hätte. Hin und wieder habe ich mich aber doch mal hingesetzt, damit ich das ein oder andere festhalte. So zum Beispiel auf dem Flug von Frankfurt nach New York.
Es ist in diesem Moment 11:05 Uhr New Yorker Zeit und ich sitze im Flugzeug herum. Problematisch ist gerade eigentlich nur, dass ich bereits seit… Naja… eben schon verdammt lange wach bin (ich möchte mir und Euch an dieser Stelle das Rechenexempel mit verschieden Ortszeiten ersparen), was mich doch sehr müde hat werden lassen.
Grönland ist verdammt schön. Davon bin ich zumindest überzeugt, denn man sieht absolut garnichts. Beim Blick aus dem Fenster wird man von strahlendem Weiß geblendet. Dichte Wolkendecke. Und dafür zahlt man dann Geld. Von Kanada erhoffe ich mir dann etwas freundlichere Aussichten – spätestens in New York erwarten uns aber ohnehin 34°C. Also eine der geilsten Städte auf dem Erdenrund bei sengender Hitze.Der Wunsch nach einer weiteren Mahlzeit ist nicht so groß wie der nach Bewegung. Die Sitze (deren Polster ganz praktisch auch als Schwimmhilfe genutzt werden können) werden von Minute zu Minute härter, aber auch ich bin knallhart und stehe das locker Stundenlang durch. Ich bin echt eisern. Als Pfadfinder hätte ich sicher meine Karriere gemacht, aber das Schicksal sah das offenbar anders. Noch 3 ½ Stunden sind kein Problem für mich. Wir freuen uns unheimlich!
30.06.2012 – 11:30am (NYC)
Mir war persönlich sehr wichtig, dass ich New York zu sehen bekomme. Ich vermute, dass jeder Orte hat, die in seinen Vorstellungen eine Form annehmen, welche einen dann nicht mehr loslässt. So ungefähr war das bei mir mit New York. Da musste ich mal hin. In so vielen Filmen bereits gesehen hatte die Stadt wirklich einen erstaunlich hohen Wiedererkennungswert. Bemerkenswert sind aber insbesondere die Unterschiede. Zum Beispiel die unsägliche Hitze. Diese Stadt ist im Sommer so unheimlich schwül (ich war nur ein paar Tage dort, aber man verriet mir, dass die Ostküste insgesamt recht feuchtwarm sei), dass es uns dort schwer fiel einen dynamischen Eindruck zu machen. Dazu kommt ein etwas drückender Geruch auf den Straßen, eine kaum zu definierende Mischung aus Asphalt, Abgasen und der Abluft jeglicher denkbarer Gewerbe. Man schwitzt wie ein Irrer, hat aber gleichzeitig das Gefühl, dass nur man selbst derart unter den Temperaturen leidet. Während einem selbst der Schweiß durch das Gesicht rinnt, steht neben einem ein Typ im Anzug und langem Hemd und sieht blendend aus. Vermutlich keine Zeit zum Schwitzen. Zu dem Klima kommen die Dimensionen. Ich kenne den Times Square von Bildern und Filmen. Dass die Eindrücke dort noch erschlagender sind, wenn man denn mal dort steht… ich hätte es mir denken können. Jedenfalls – hier ist, was mir dort dazu einfiel.
Nach 3 Tagen hier in New York lässt sich vorallem eines sagen: es ist furchtbar groß. Ich beziehe das nicht unbedingt auf die Fläche. Besonders am Times Square, Touristenmagnet Nr 1, erheben sich in allen Himmelsrichtung blinkende, mehrere Stockwerke hohe Bildschirme. Plakatwände sind noch größer. Gerade wird hier im großen Stil der neue Batman-Film beworben. Kommt gut, so über zig Meter. Klar, man kennt das schon alles. Bilder, Filme… Das ist kein Vergleich. Ich ärgere mich selbst darüber, dass die Kamera wohl noch erfunden werden muss, welche in der Lage ist das halbwegs brauchbar festzuhalten.
Auch sind die Amis (wenigstens die New Yorker) echte Künstler, wenn es darum geht, Menschenschlangen sinnvoll zum Ziel zu führen. In der doch sehr begrenzten Zeit, die wir zumindest hier haben, laufen wir natürlich auch hier und da mal klassisches Touristenprogramm ab. Das ist mir normalerweise zuwider. Ich fühle mich einfach lieber als Teilnehmer des täglichen Lebens. Die Sonderstellung des ahnungslosen Fremdlings tue ich mir ungern an. Ich glaube auch, dass meine Einstellung eigentlich eine Win-Win-Situation ist. Touristen, die sich wie solche verhalten, kann keiner wirklich leiden. Da hinterlasse ich lieber einen positiven Eindruck, indem ich mich bemühe. Hat hier nicht zu 100% hingehauen.
Jedenfalls – Empire State Building, Liberty Island, Ellis-Island: Check!


03.07.2012 – 18:30 New York City
Vor gut einer Woche habe ich zuletzt geschrieben, und seitdem ist natürlich einiges passiert. Erstens war da der 4. Juli zu nennen. Für diejenigen, die an den USA nichts finden, oder aus irgendeinem anderen Grund keinerlei Ahnung von den Festlichkeiten hier haben: An diesem Tage feiert der Ami seine Freiheit und Unabhängigkeit von der britischen Krone. Toll! Das bedeutet, dass alle irgendwie abends zusammenkommen und gemeinsam feiern, was alles in allem eine wunderbare Sache ist. Wir zum Beispiel waren im New Yorker Battery Park und haben mitgemacht. Warum? Weil Deutschland auch unabhängig von der britischen Krone ist. Im Allgemeinen wird an diesem Tag auch in allen größeren Städten ein mords Feuerwerk abgebrannt. Übrigens meinte man es dieses Jahr in San Diego wohl zu gut, denn noch vor dem offiziellen Beginn des Spektakels wurde (angeblich aufgrund eines Computerfehlers) das ganze Arrangement innerhalb weniger Sekunden auf einmal verheizt. In New York lief es allerdings – soweit ich das beurteilen kann – gut.
Jedenfalls haben wir uns dann am letzten Donnerstag aus NYC verzogen, um nach Turlock zur Verwandtschaft zu fliegen. Vorallem war hier das Klima um ein vielfaches erträglicher; immernoch heiß, aber viel trockener. Von dort aus gab es dann den ein oder anderen Trip gen Osten, wo es hügeliger, verwinkelter und die Örtchen um einiges älter sind, Westen und Süden. Hauptsächlich wurde die Zeit aber dazu genutzt, die Familie zu sehen und die Wäsche zu waschen. Dürfte Euch also kaum interessieren.
Turlock, CA.
Turlock ist eine Stadt mit 70.000 Einwohnern. Darüber ist es das lebendige Beispiel des amerikanischen Flachbauwahns. Mehrstöckige Häuser gibt es selten. Häuser, welche aus Stein gebaut wurden sind noch viel seltener. Irgendwie verkörpert dieser Ort in etwa das, was wir auch bei unserer Fahrt durch halb Kalifornien bis nach San Diego mehrheitlich beobachteten. Es herrscht eine allgemeine Schnell- und Kurzlebigkeit. Während es in unseren heimatlichen Gefilden durchaus nicht ungewöhnlich ist in einem Haus aus den 70er Jahren (und viel viel älter) zu leben, so gilt das dort schlicht als alt. Überhaupt empfand ich dort vieles als schnell zurechtgeschustert. Ich bin kein Elektriker, und ein Zimmermann bin ich noch viel weniger. Aber bei gewissen Standarts liegen die Prioritäten offensichtlich woanders als hier. Vielleicht bin ich auch nur übertrieben Aufmerksam gewesen. Wirklich unterschieden von der Art, die man Amerikanern womöglich zuschreiben könnte, haben sich insbesondere die Menschen in San Francisco. Die sind scheißfreundlich. Dort unterscheiden sie sich auf besondere Weise. Nicht, dass die Menschen jenseits der Bay Area unhöflich wären, nein. Im Gegenteil. Dort herrscht ein Ton vor, von dem man in Deutschland noch viel lernen könnte. Ich unterscheide aber hier mal zwischen meinem Verständnis von “höflich”, also “Thank you!”, “I’m sorry!” und “You’re welcome.” zu sagen so oft es nur geht, und dem “freundlich”. San Francisco ist freundlich. Man kommt irgendwo in ein abgetakeltes Geschäft, erwartet vom Besitzer einen grimmigen Blick entgegengeworfen zu bekommen, wird stattdessen aber mit herzergreifend glücklicher Stimme begrüßt und nach seinem Befinden ausgefragt. Das ist dort kein Sonderfall, sonder die Regel.
An dieser Stelle werden meine Notizen dürftiger, als sie es so oder so schon sind.
Seit heute stecken wir in einem Hostel mitten in San Francisco. Ist eine großartige Stadt. Hier sollte man mal gewesen sein. Alles auch schon etwas älter als der US-Durchschnitt, das Klima ist voll nach meinem Geschmack (weht halt immer ein kühler Wind), die Meeresfrüchte und der Fischkram, den es hier an jeder Ecke gibt sind es ebenfalls und überhaupt sieht hier alles sehr sehr hübsch aus. Allerdings muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass es hier übermäßig viele Obdachlose zu geben scheint. Das trübt das Bild hin und wieder schon ein wenig. Vorallem frage ich mich, was diese Stadt hat (oder nicht hat), dass sich das hier alles auf einen Punkt zu konzentrieren scheint? Ich bin gespannt, was hier noch passiert und was man noch alles sieht.#

Wir haben noch viel mehr gesehen. Ich beschreibe nicht die Sehenswürdigkeiten, das ginge zu weit. Auch nicht, wie wir mit unserer Verwandtschaft umhergereist sind. Das würde den Rahmen sprengen. Fakt ist, dass es eine großartige Reise war. Wochenlang in hauptsächlich einem Staat umhergereist zu sein und dennoch das Gefühl zu haben nur einen Bruchteil dessen erlebt zu haben, was dieser zu bieten hat lässt einen relativ mickrig wirken. Die Vorstellung, dass dieses Land noch 49 weitere Staaten hat wirkt dagegen fast unwahr. Wer weiß, was da noch kommen mag. Ich für meinen Teil habe Blut geleckt. Ich komme bestimmt mal wieder!
Bis auf weiteres,
Marius



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